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Diagnostik
„Vor jede Therapie hat der liebe Gott die Diagnose gestellt!“ Dieser markige Ausspruch eines bekannten Humanmediziners hat in der Veterinärmedizin dieselbe Bedeutung. Nachfolgend wird das diagnostische Vorgehen aus einer Sichtweise dargestellt, die den tierischen Patienten (inklusive seiner Umgebung) als Ganzheit betrachtet. Besonderes Augenmerk wird hierbei dem so genannten Störfeldgeschehen gewidmet.
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Der Vorbericht - die Anamnese
An erster Stelle der Diagnostik steht eine ausführliche Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese), wobei diese immer häufiger nach ganzheitlichen Kriterien erhoben wird. Das heißt, es wird nicht nur nach der Entwicklung des derzeitigen Krankheitsbildes gefragt, sondern nach allem, was das Tier im Laufe seines Lebens (von Geburt an) erlitt. Nicht selten wird eine Problematik der Hinterextremitäten z.B. von Störungen der Geschlechtsorgane verursacht oder so aufrechterhalten, dass die Symptomatik jeder Therapie zu trotzen scheint.
Dabei wird insbesondere bei chronischen, also bereits länger oder lange andauernden Problemen oder Erkrankungen die Befragung im Hinblick auf ein etwaig vorliegendes Störfeldgeschehen erweitert.
Unter einem Störfeld versteht man ein latentes (also nicht vorrangig auffälliges) Entzündungsgebiet, das den Körper wie ein permanenter Störsender irritiert – das körpereigene Abwehrsystem steht quasi unter laufender Alarmbereitschaft. Als Folge davon reagiert der Organismus auch auf kleinere oder kleinste zusätzliche Störeinflüsse mit einer Heftigkeit, wie sie der unbeeinflusste Organismus niemals aufbrächte. Weitere Konsequenz: Diese Zusatzstörung stellt nunmehr für den Körper einen potentiellen „Feind“ dar – der Körper kämpft dagegen an, bekommt die Situation aber nicht in den Griff – und der (Tier)Arzt behandelt und behandelt… doch solange das Störfeld nicht ausgeschaltet wird, bleiben die Therapien nur wenig bis überhaupt nicht erfolgreich.
Dies bedeutet also nicht nur eine das aktuelle Geschehen betreffende Befragung des Tierbesitzers, sondern auch die Suche nach Hinweisen auf Ereignisse, die etwa gleichzeitig oder früher stattgefunden haben.
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Einige häufige Störfelder beim Hund:
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Narben, und zwar nicht die schön abgeheilte Narbe, sondern die, die eine gestörte Wundheilung zeigte; bei einer solchen fühlt man Verdickungen („Knubbel“) und ist das Fell an dieser Stelle nicht sehr dicht (z.B. an den Schenkelinnenflächen) kann man auch Verfärbungen der Haut feststellen. Mehrfach wird hier auch öfter geleckt, was sich an stärker behaarten Körperstellen wiederum als Fellverfärbung feststellen lässt.
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Geschlechtstrakt, und hier v. a. der weibliche. Auffälligkeiten im Zyklus (unregelmäßige, verlängerte oder ausbleibende Läufigkeiten), Scheinträchtigkeiten, Inkontinenz nach Kastration usw. sollten Beachtung finden
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Zahn-Kiefer-Bereich und Rachenmandeln: Auffälligkeiten bei der Futteraufnahme bzw. beim Trinken (Verschlucken, aber auch häufiges Räuspern) liefern hier Hinweise
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Analbeutel („Duftdrüsen, Stinkdrüsen“): Müssen diese immer wieder vom Tierarzt ausgedrückt werden oder aber immer wieder wegen Entzündungen behandelt werden?
Da eigentlich jede Stelle des Körpers zum Störfeld werden kann, gehen Tierärzte bei der Störfeldsuche heute systematisch nach einer „Checkliste“ vor. Wie eingangs erwähnt, ist es auch legitim, von einem „erweiterten Störfeld“ zu sprechen – denn nicht nur körpereigene Problemstellen sind es, die den Körper unter Dauer-“Stress“ setzen können: Gelegentlich ist es auch eine Umstellung im Umfeld des Hundes – Änderung der Bezugsperson – z.B. bei Scheidung, Partnerwechsel der Besitzer oder Änderung der Rangordnung – z.B. das neugeborene Baby steht nun im Mittelpunkt, nicht mehr der Hund bzw. ein neuer Hund wurde angeschafft usw. Diese Situationen können ein Tier so stark beeinflussen, dass es auch hierdurch zu einer Schwächung der natürlichen Körperabwehr kommt – das Tier wird „anfällig“…
Im Anschluss an diese allgemeine, umfassende Anamnese wird dann speziell zum vorgestellten und derzeit aktuellen Problem befragt: Seit wann? Wie äußerte sich die Problematik? (z.B. „steht schwerer auf, läuft sich aber ein…“). Was verstärkt das Problem? Was wurde bereits unternommen? Wie reagierte der Patient auf z.B. schon verabreichte (Schmerz)Mittel? Und ein ganz wichtiger Punkt: Wie viel Zeit können Sie für Ihr Tier aufwenden – ist der Besitzer überhaupt in der Lage, als wichtiges Glied der Therapie mitzuarbeiten?
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Betrachtung in der Ruhe und in der aktiven Bewegung
Sodann erfolgt die eingehende Untersuchung mittels der Betrachtung des Tieres von allen Seiten in der Ruhe sowie in der Bewegung (Gangbildanalyse). Dabei werden, wenn nötig, noch kleine „Schikanen“, wie z.B. Hindernisse eingebaut, um eine Symptomatik noch besser erkennbar zu machen, die verschiedenen Gangarten sowie Bewegungsabläufe, wie z.B. Wendungen werden beurteilt. Dabei wird der Hundehalter aufmerksam gemacht, dass dies so lange erfolgt, bis der Tierarzt wirklich alles „von hinten, von vorne, von der Seite, von unten nach oben“ erfasst und befundet hat.
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Betasten, Fühlen (Palpation) und passives Bewegen (Gelenkfunktionsprüfung)
Dann wird das Tier eingehend manuell untersucht, wobei schon die Haut selbst wie auch natürlich die Muskulatur sowie die Gelenke Aufschluss über den derzeitigen Status des Patienten liefern.
Bei Vorliegen eines Krankheitsbildes, bei dem die Hauptursache eine Nervenstörung sein könnte, wird eine neurologische Untersuchung durchgeführt.
Vorhandene Röntgenbilder und der Bericht des überweisenden Tierarztes werden sorgsam beurteilt und – wenn nötig – ergänzende Röntgenbilder angefertigt. Sollte der Befund noch immer nicht klar sein, wird die weiterführende Untersuchung durch spezielle bildgebende Verfahren (z.B. Computertomografien) empfohlen.
Eine solche Diagnostik beim Spezialisten nimmt zwar vordergründig viel Zeit in Anspruch (ohne Anfertigung neuer Röntgenbilder oder weiterführende Maßnahmen etwa eine Stunde), doch ist davon die ganze Effizienz der Therapie abhängig.
Und – nicht zuletzt kann mit den Augen und den Händen (sowie gelegentlich auch mit den Ohren) so viel aufgenommen werden, dass ein vielleicht doch noch anzufertigendes Röntgenbild gezielt aufgenommen wird und vielleicht nur noch zur Bestätigung der Verdachtsdiagnose dient.
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